Spätsommer
Noch schenkt der späte Sommer Tag um Tag
Voll süßer Wärme. Über Blumendolden
Schwebt da und dort mit mildem Flügelschlag
ein Schmetterling und funkelt sammetgolden.
Die Abende und Morgen atmen feucht
Von dünnen Nebeln, deren Naß noch lau.
Vom Maulbeerbaum mit plötzlichem Geleucht
Weht gelb und groß ein Blatt ins sanfte Blau.
Eidechse rastet auf besonntem Stein,
Im Blätterschatten Trauben sich verstecken.
Bezaubert scheint die Welt, gebannt zu sein
In Schlaf, in Traum, und warnt dich, sie zu wecken.
So wiegt sich manchmal viele Takte lang
Musik, zu goldener Ewigkeit erstarrt,
Bis sie erwachend sich dem Bann entrang
Zurück zu Werdemut und Gegenwart.
Wir Alten stehen erntend am Spalier
Und wärmen uns die sommerbraunen Hände.
Noch lacht der Tag, noch ist er nicht zu Ende,
Noch hält und schmeichelt uns das Heut und Hier.
Hermann Hesse
Bild von hartono subagio auf Pixabay


Hallo Simon,
wunderschönes Gedicht von Hermann Hesse. Letztes Jahr war ich im Hermann Hesse Haus in Gaienhofen am Bodensee. Seine gemalten Bilder sowie das Haus sind ebenso sehenswert. Dann habe ich „Mit Hermann Hesse durchs Tessin “ gelesen. Dort lebete es ja auch viele Jahre und war in die Landschaften verliebt. Auch ein lesenswertes Buch. Über sein Leben, seine Familie und Gedanken erfährt man einiges, was mir an dem Buch gefiel.
Deswegen bin auch ich gern immer wieder auf den Spuren Hermann Hesses.
Viele Grüße und einen weiteren schönen Spätsommer wünscht..
Angelika Fobel