Februar

Winternacht

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab’ nichts, was mich freuet,
Verlassen steht der Baum im Feld,
Hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
Und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seinen Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.

Er träumt von künft’ger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.

Joseph von Eichendorff

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Januar

Rein wie der weiße Schnee im Feld
Ist noch dies neue Jahr bestellt,
Doch was drin Neues wachen mag,
Ist schon gesäet Jahr und Tag.

Hermann Hesse (1877-1962)

Bild von Simon Berstecher

Dezember

Baum im Winter

Es steht ein Baum vor meinem Haus –
Armseligstruppiges Geäst
Hebt sich aus seinem Stamm heraus
Und hält ihn an das Leben fest.

Im Sommer hat die schnelle Faust
Des Blitzes seinen Stamm zersägt,
Und Sturmwind, der im Herbst gebraust,
Die letzte Kraft hinweggefegt.

Die andern Bäume stehen stark
Und kühn um diesen Krüppel her.
In ihnen singt gesundes Mark
Und macht ihr Dasein tatenschwer.

Doch wenn ein Ast im Winde bebt
An seinem Leibe, glaubt auch er,
Daß er noch für den Frühling lebt,
Wie seine Brüder ringsumher.

Alfons Petzold (1882-1923)

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November

November

Solchen Monat muß man loben:
Keiner kann wie dieser toben,
keiner so verdrießlich sein
und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie naß er alles macht!
Ja, es ist ′ne wahre Pracht.

Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
wie sie tanzen in dem Wind
und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
und sie durcheinander wirbelt
und sie hetzt ohn′ Unterlass:
Ja, das ist Novemberspaß!

Und die Scheiben, wie sie rinnen!
Und die Wolken, wie sie spinnen
ihren feuchten Himmelstau‘
ur und ewig, trüb und grau!
Auf dem Dach die Regentropfen:
Wie sie pochen, wie sie klopfen!
Schimmernd hängt′s an jedem Zweig,
einer dicken Träne gleich.

Oh, wie ist der Mann zu loben,
der solch unvernüft′ges Toben
schon im Voraus hat bedacht
und die Häuser hohl gemacht;
so daß wir im Trocknen hausen
und mit stillvergnügtem Grausen
und in wohlgeborgner Ruh
solchem Greuel schauen zu.

Heinrich Seidel

* 25.06.1842 – † 07.11.1906

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Oktober

Nebeltag

Nun weicht er nicht mehr von der Erde,
Der graue Nebel, unbewegt;
Er deckt das Feld und deckt die Herde,
Den Wald und was im Wald sich regt.

Er fällt des Nachts in schweren Tropfen
Durchs welke Laub von Baum zu Baum,
Als wollten Elfengeister klopfen
Den Sommer wach aus seinem Traum.

Der aber schläft, von kühlen Schauern
Tief eingehüllt, im Totenkleid.
O welch ein stilles, sanftes Trauern
Beschleicht das Herz in dieser Zeit!

Im Grund der Seele winkt es leise,
Und vom dahingeschwundnen Glück
Beschwört in ihrem Zauberkreise
Erinnrung uns den Traum zurück.

Hermann von Lingg (1820-1905)

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September

September

Der Dornbusch prangt im Schmuck der roten Beeren,
Die Dahlien in ihrer bunten Pracht,
Und Sonnenblumen mit den Strahlenspeeren
Stehn stolz wie goldne Ritter auf der Wacht.

Die Wespe nascht um gelbe Butterbirnen,
Die Äpfel leuchten rot im Laub und glühn
Den Wangen gleich der muntren Bauerdirnen,
Die sich im Klee mit ihren Sicheln mühn.

Noch hauchen Rosen ihre süßen Düfte,
Und freuen Falter sich im Sonnenschein,
Und schießen Schwalben durch die lauen Lüfte,
Als könnt des Sommerspiels kein Ende sein.

Nur ab und an, kaum dass der Wind die Äste
Des Baumes rührt, löst leise sich ein Blatt,
Wie sich ein stiller Gast vom späten Feste
Heimlich nach Hause stiehlt, müde und satt.

Gustav Falke (1853-1916)

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August

Sommer

Weißt du, wie der Sommer riecht?
Nach Birnen und nach Nelken,
nach Äpfeln und Vergißmeinnicht,
die in der Sonne welken,
nach heißem Sand und kühler See
und nassen Badehosen,
nach Wasserball und Sonnenkrem,
nach Straßenstaub und Rosen.

Weißt du, wie der Sommer schmeckt?
Nach gelben Aprikosen
und Walderdbeeren, halb versteckt
zwischen Gras und Moosen,
nach Himbeereis, Vanilleeis
und Eis aus Schokolade,
nach Sauerklee vom Wiesenrand
und Brauselimonade.

Weißt du, wie der Sommer klingt?
Nach einer Flötenweise,
die durch die Mittagsstille dringt:
Ein Vogel zwitschert leise,
dumpf fällt ein Apfel in das Gras,
der Wind rauscht in den Bäumen.
Ein Kind lacht hell, dann schweigt es schnell

Aus Kleberger, Ilse: Sommer. Die Stadt der Kinder. Hrsg. Hans-Joachim Gelberg, Beltz Verlag, Weinheim und Basel 1999, S. 175.

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Juli

Die Nachtigall

Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.

Sie war doch sonst ein wildes Blut
Nun geht sie tief in Sinnen,
Trägt in der Hand den Sommerhut
Und duldet still der Sonne Glut
Und weiß nicht, was beginnen.

Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.

Theodor Storm (1817-1888)

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Juni

Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in die Fülle der Gräser.
Weil’s wohltut, weil’s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

Und laß deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiß dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen, als ein Grashüpferhupf.

Joachim Ringelnatz (1883 – 1934) Bild von Leopictures auf Pixabay

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Mai

Läuten kaum die Maienglocken

Läuten kaum die Maienglocken,
leise durch den lauen Wind,
hebt ein Knabe froh erschrocken,
aus dem Grase sich geschwind.
Schüttelt in den Blütenflocken,
seine feinen blonden Locken,
schelmisch sinnend wie ein Kind.

Und nun wehen Lerchenlieder
und es schlägt die Nachtigall,
von den Bergen rauschend wieder
kommt der kühle Wasserfall.
Rings im Walde bunt Gefieder,
Frühling ist es wieder
und ein Jauchzen überall.

Joseph von Eichendorff
(* 1788-03-10, † 1857-11-26)

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April

Maler Frühling

Der Frühling ist ein Maler,
er malet alles an,
die Berge mit den Wäldern,
die Täler mit den Feldern:
Was der doch malen kann!
Auch meine lieben Blumen
schmückt er mit Farbenpracht:
Wie sie so herrlich strahlen!
So schön kann keiner malen,
so schön, wie er es macht.
O könnt ich doch so malen,
ich malt ihm einen Strauß
und spräch in frohem Mute
für alles Lieb und Gute
so meinen Dank ihm aus!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, (1798 – 1874)

Bild von Simon Berstecher

März

Märzschnee

Märzschnee rieselt durch die Zweige
Und umspinnt den weiten Wald,
Alle Vogellieder schweigen
Und es wird so stumm und kalt.

Eine kleine graue Meise
Trillert einmal noch ihr Lied,
Einmal noch ein Sonnenstreifen
Dünn den stillen Wald durchzieht.

Auf den kalten, nassen Wegen
Gehe ich mit leichtem Fuß,
Wie ein Lied war mir dein Lächeln
Und wie Sonnenschein dein Gruß.

Hermann Löns (1866-1914)

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Februar

Eisnacht

Wie in Seide ein Königskind
schläft die Erde in lauter Schnee,
blauer Mondscheinzauber spinnt
schimmernd über der See.

Aus den Wassern der Raureif steigt,
Büsche und Bäume atmen kaum:
durch die Nacht, die erschauernd schweigt,
schreitet ein glitzernder Traum.

Clara Müller-Jahnke (1860-1905)

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Januar

Neujahrslied

Mit der Freude zieht der Schmerz
traulich durch die Zeiten.
Schwere Stürme, milde Weste,
bange Sorgen, frohe Feste
wandeln sich zu Zeiten.

Und wo eine Träne fällt,
blüht auch eine Rose.
Schon gemischt, noch eh‘ wir’s bitten,
ist für Throne und für Hütten
Schmerz und Lust im Lose.

War’s nicht so im alten Jahr?
Wird’s im neuen enden?
Sonnen wallen auf und nieder,
Wolken gehn und kommen wieder
und kein Mensch wird’s wenden.

Gebe denn, der über uns
wägt mit rechter Waage,
jedem Sinn für seine Freuden,
jedem Mut für seine Leiden
in die neuen Tage,

jedem auf dem Lebenspfad
einen Freund zur Seite,
ein zufriedenes Gemüte
und zu stiller Herzensgüte
Hoffnung ins Geleite!

Johann Peter Hebel (1760-1826)

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Dezember

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird,
Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
Streckt sie die Zweige hin – bereit,
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

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November

Trüber Himmel, raue Tage
Kommen sicher jedes Jahr;
Schwere Sorgen, harte Plage,
Jedes Leben bringt sie dar.

Doch bedenkt, die heitern Stunden
Hätten nie euch so beglückt,
Hättet ihr nicht überwunden,
Was in trüben euch bedrückt.

Heinrich Hoffmann . 1809-1894

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Oktober

Äpfellese

Das ist ein reicher Segen
In Gärten und an Wegen!
Die Bäume brechen fast.
Wie voll doch Alles hanget!
Wie lieblich schwebt und pranget
Der Äpfel goldne Last!

Jetzt auf den Baum gestiegen!
Lasst uns die Zweige biegen,
Dass jedes pflücken kann!
Wie hoch die Äpfel hangen,
Wir holen sie mit Stangen
Und Haken all‘ heran.

Und ist das Werk vollendet,
So wird auch uns gespendet
Ein Lohn für unsern Fleiß.
Dann zieh’n wir fort und bringen
Die Äpfel heim und singen
Dem Herbste Lob und Preis.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

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September

Spätsommer

Noch schenkt der späte Sommer Tag um Tag
Voll süßer Wärme. Über Blumendolden
Schwebt da und dort mit mildem Flügelschlag
ein Schmetterling und funkelt sammetgolden.

Die Abende und Morgen atmen feucht
Von dünnen Nebeln, deren Naß noch lau.
Vom Maulbeerbaum mit plötzlichem Geleucht
Weht gelb und groß ein Blatt ins sanfte Blau.

Eidechse rastet auf besonntem Stein,
Im Blätterschatten Trauben sich verstecken.
Bezaubert scheint die Welt, gebannt zu sein
In Schlaf, in Traum, und warnt dich, sie zu wecken.

So wiegt sich manchmal viele Takte lang
Musik, zu goldener Ewigkeit erstarrt,
Bis sie erwachend sich dem Bann entrang
Zurück zu Werdemut und Gegenwart.

Wir Alten stehen erntend am Spalier
Und wärmen uns die sommerbraunen Hände.
Noch lacht der Tag, noch ist er nicht zu Ende,
Noch hält und schmeichelt uns das Heut und Hier.

Hermann Hesse

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August

Vormittag am Strand

Es war ein solcher Vormittag,
wo man die Fische singen hörte,
kein Lüftchen lief, kein Stimmchen störte,
kein Wellchen wölbte sich zum Schlag.

Nur sie, die Fische, brachen leis
der weit und breiten Stille Siegel
und sangen millionenweis‘
dicht unter dem durchsonnten Spiegel.

Christian Morgenstern (1871-1914)

Juli

Im Sommer

In Sommerbäder
Reist jetzt ein jeder
Und lebt famos.
Der arme Dokter,
Zu Hause hockt er
Patientenlos.

Von Winterszenen,
Von schrecklich schönen,
Träumt sein Gemüt,
Wenn, Dank der Götter,
Bei Hundewetter
Sein Weizen blüht..

Busch, Wilhelm (1832-1908)

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Juni

Juni

Juni streift mit warmer Hand
letzte Blüten von den Bäumen.
Wie enttaucht verwelkten Träumen,
schaut aus dunkler Blätterwand
junge Frucht in lichtes Land.

Fridolin Hofer

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Mai

Will dir den Frühling zeigen

Will dir den Frühling zeigen,
der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
und kommt nicht in die Stadt.

Nur die weit aus den kalten
Gassen zu zweien gehen
und sich bei den Händen halten –
dürfen ihn einmal sehn.

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)

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April

Bald ein rauhes kaltes Rauschen,
dass der dunkle Forst erkracht;
Bald ein Flüstern, Kosen, Lauschen,
wie die stillste Frühlingsnacht.

Bald der Himmel, bald die Sonne,
bald die Wolken, bald der Schnee —
Wie der Liebe erste Wonne,
wie der Liebe erstes Weh.

Bald das Jauchzen, bald die Trauer
in der aufgeregten Brust —
Und noch halb in Winterschauer,
und schon halb in Frühlingslust.

Bald ein ungestümes Ringen,
bald ein Frieden sonntagsstill —
O, was wirst Du mir noch bringen
schöner, stürmischer April?


Julius Rodenberg

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März

Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland, (1787-1862)

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Februar

Hans Retep · geb. 1956
www.lyrikmond.de/gedichte-thema-9-63.php#844

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Januar

Mein Neujahrswunsch

Was ich erwünsche vom neuen Jahre?
Dass ich die Wurzel der Kraft mir wahre,
Festzustehen im Grund der Erden,
Nicht zu lockern und morsch zu werden.

Mit den frisch ergrünenden Blättern
Wieder zu trotzen Wind und Wettern,
Mag es ächzen und mag es krachen,
Stark zu rauschen, ruhig zu lachen,

So in Regen wie Sonnenschein
Freunden ein Baum des Lebens zu sein.

Karl Henckell (1864-1929)

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Dezember

Gestern

Erst gestern war es, denkst du daran?
Es ging der Tag zur Neige.
Ein böser Schneesturm da begann
und brach die dürren Zweige.
Der Sturmwind blies die Sterne weg,
die Lichter, die wir lieben.
Vom Monde gar war nur ein Fleck,
ein gelber Schein geblieben.
Und jetzt? So schau doch nur hinaus:
Die Welt ertrinkt in Wonne.
Ein weißer Teppich liegt jetzt aus.
Es strahlt und lacht die Sonne.
Wohin du siehst: Ganz puderweiß
geschmückt sind alle Felder.
Der Bach rauscht lustig unterm Eis,
nur finster stehn die Wälder.

Alexander Puschkin (1799 – 1837)

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November

Nun lass den Sommer gehen,
Lass Sturm und Winde wehen.
Bleibt diese Rose mein,
Wie könnt ich traurig sein?

Joseph von Eichendorff (1788-1857)

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Oktober

Spätherbst

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht –
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh Stille, Schnee und Winter kommt.

Theodor Fontane (1819-1898)

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September

September

Wie liegt die Welt so frisch und tauig
vor mir im Morgensonnenschein.
Entzückt vom hohen Hügel schau ich
ins grüne Tal hinein.

Mit allen Kreaturen bin ich
in schönster Seelenharmonie.
Wir sind verwandt, ich fühl es innig,
und eben darum lieb ich sie.

Und wird auch mal der Himmel grauer;
wer voll Vertrau’n die Welt besieht,
den freut es, wenn ein Regenschauer
mit Sturm und Blitz vorüberzieht.

Heinrich Christian Wilhelm Busch (1832-1908)

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August

Regen, Regen!

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Bring‘ uns Kühle, lösch‘ den Staub
Und erquicke Halm und Laub!

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Labe meine Blümelein,
Lass sie blüh’n im Sonnenschein!

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Nimm dich auch des Bächleins an,
Dass es wieder rauschen kann!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)


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Juli

Auch das ist Kunst,
ist Gottes Gabe,
aus ein paar sonnenhellen Tagen
sich so viel Licht ins Herz zu tragen,
dass, wenn der Sommer längst verweht,
das Leuchten immer noch besteht.

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

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Juni

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,
Umflattert sie tausendmal,
Ihn selber aber, goldig zart,
Umflattert der liebende Sonnenstrahl.

Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?
Das wüßt ich gar zu gern.
Ist es die singende Nachtigall?
Ist es der schweigende Abendstern?

Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;
Ich aber lieb euch all‘:
Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,
Abendstern und Nachtigall.

Heinrich Heine (1797 – 1856)

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Mai

Träumerei in Hellblau

Alle Landschaften haben
Sich mit Blau gefüllt.
Alle Büsche und Bäume des Stromes,
Der weit in den Norden schwillt.

Blaue Länder der Wolken,
Weiße Segel dicht,
Die Gestade des Himmels in Fernen
Zergehen in Wind und Licht.

Wenn die Abende sinken
Und wir schlafen ein,
Gehen die Träume, die schönen,
Mit leichten Füßen herein.

Zymbeln lassen sie klingen
In den Händen licht.
Manche flüstern, und halten
Kerzen vor ihr Gesicht.

Georg Heym,1887 – 1912

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April

Alle Birken grünen

Alle Birken grünen in Moor und Heid,
Jeder Brahmbusch leuchtet wie Gold,
Alle Heidlerchen dudeln vor Fröhlichkeit,
Jeder Birkhahn kullert und tollt.

Meine Augen, die gehen wohl hin und her
Auf dem schwarzen, weißflockigen Moor,
Auf dem braunen, grünschäumenden Heidemeer
Und schweben zum Himmel empor.

Zum Blauhimmel hin, wo ein Wölkchen zieht
Wie ein Wollgrasflöckchen so leicht,
Und mein Herz, es singt sein leises Lied,
Das auf zum Himmel steigt.

Ein leises Lied, ein stilles Lied
Ein Lied, so fein und lind,
Wie ein Wölkchen, das über die Bläue zieht,
Wie ein Wollgrasflöckchen im Wind.

(Hermann Löns, 1866-1914, deutscher Journalist und Schriftsteller)

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März

Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und Zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.

Rainer Maria Rilke (März Gedichte)

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Februar

Februar

Im Winde wehn die Lindenzweige,
Von roten Knospen übersäumt;
Die Wiegen sind’s, worin der Frühling
Die schlimme Winterzeit verträumt.

Theodor Storm (1817-1888)

Januar

Zum neuen Jahr

Zum neuen Jahr ein neues Herze,
ein frisches Blatt im Lebensbuch.
Die alte Schuld sei ausgestrichen.
Der alte Zwist sei ausgeglichen
Und ausgetilgt der alte Fluch.
Zum neuen Jahr ein neues Herze,
Ein frisches Blatt im Lebensbuch!

Zum neuen Jahr ein neues Hoffen!
Die Erde wird noch immer wieder grün.
Auch dieser März bringt Lerchenlieder.
Auch dieser Mai bringt Rosen wieder.
Auch dieses Jahr lässt Freuden blühn.
Zum neuen Jahr ein neues Hoffen.
Die Erde wird noch immer grün.

Karl Gerok (1815-1890)

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Dezember

Gang im Schnee

Nun rieseln weiße Flocken unsre Schritte ein.
Der Weidenstrich läßt fröstelnd letzte Farben sinken,
Das Dunkel steigt vom Fluß, um den versprengte Lichter blinken,
Mit Schnee und bleicher Stille weht die Nacht herein.

Nun ist in samtnen Teppichen das Land verhüllt,
Und unsre Worte tasten auf und schwanken nieder
Wie junge Vögel mit verängstetem Gefieder –
Die Ebene ist grenzenlos mit Dämmerung gefüllt.

Um graue Wolkenbündel blüht ein schwacher Schein,
Er leuchtet unserm Pfad in nachtverhängte Weite,
Dein Schritt ist wie ein fremder Traum an meiner Seite –
Nun rieseln weiße Flocken unsre Sehnsucht ein.

Ernst Stadler (1883-1914)

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November

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

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Oktober

Baum im Herbst

Noch ringt verzweifelt mit den kalten
Oktobernächten um sein grünes Kleid
mein Baum. Er liebt’s, ihm ist es leid,
Er trug es fröhliche Monde lang,
Er möchte es gern behalten.

Und wieder eine Nacht, und wieder
Ein rauher Tag. Der Baum wird matt
Und kämpft nicht mehr und gibt die Glieder
Gelöst dem fremden Willen hin,
Bis der ihn ganz bezwungen hat.

Nun aber lacht er golden rot
Und ruht im Blauen tief beglückt.
Da er sich müd dem Sterben bot,
Hat ihn der Herbst, der milde Herbst
Zu neuer Herrlichkeit geschmückt.

Hermann Hesse, 1877 – 1962

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September

Sommersneige

Wenn jetzt die Sonne heiß am Himmel stehet;
Es dampft die Flur im reichen Blumenduft;
Vom warmen Wind, der durch die Lüfte wehet.
Ein wogend Wallen über Felder gehet,
Zum Widerklange blauer Himmelsluft:
Es wehen Glöckchen blau von allen Hügeln;
Der Himmel will sich in des Kornes Blume spiegeln.

Philipp Otto Runge (1777-1810)

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August

Schwebende Zukunft

Habt ihr einen Kummer in der Brust
Anfang August,
Seht euch einmal bewußt
An, was wir als Kinder übersahn.

da schickt der Löwenzahn
Seinen Samen fort in die Luft.
Der ist so leicht wie Duft
Und sinnreich rund umgeben
Von Faserstrahlen, zart wie Spinneweben.

Und er reist hoch über euer Dach,
Von Winden, schon vom Hauch gepustet.
Wenn einer von euch hustet,
Wirkt das auf ihn wie Krach,
Und er entweicht.

Luftglücklich leicht.
Wird sich sanft wo in Erde betten.
Und im Nächstjahr stehn
Dort die fetten, goldigen Rosetten,
Kuhblumen, die wir als Kind übersehn.

Zartheit und Freimut lenken
Wieder später deren Samen Fahrt.
Flöge doch unser aller Zukunftsdenken
So frei aus und so zart.


(Joachim Ringelnatz, 1883-1934, deutscher Lyriker, Erzähler und Maler)

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Juli

Ich bin der Juli

Grüß Gott! Erlaubt mir, dass ich sitze.
Ich bin der Juli, spürt ihr die Hitze?
Kaum weiß ich, was ich noch schaffen soll,
die Ähren sind zum Bersten voll;
reif sind die Beeren, die blauen und roten,
saftig sind Rüben und Bohnen und Schoten.
So habe ich ziemlich wenig zu tun,
darf nun ein bisschen im Schatten ruhn.
Duftender Lindenbaum,
rausche den Sommertraum!
Seht ihr die Wolke? Fühlt ihr die Schwüle?
Bald bringt Gewitter Regen und Kühle.

Paula Dehmel (1862-1918)

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Juni

Sommer

Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,
und von den Auen dränget uns die Glut;
doch dort am Wasserfall, am Felsensitze
erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.

Der Donner rollt, schon kreuzen sich die Blitze,
die Höhle wölbt sich auf zur sichern Hut,
dem Tosen nach kracht schnell ein knatternd Schmettern;
doch Liebe lächelt unter Sturm und Wettern.

Johann Wolfgang von Goethe

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Mai

Der Hügel

Wie wundersam ist doch ein Hügel,
der sich ans Herz der Sonne legt,
indes des Winds gehalt’ner Flügel
des Gipfels Gräser leicht bewegt.

Mit bunten Faltertanz durchwebt sich,
von wilden Bienen singt die Luft
und aus der warmen Erde hebt sich
ein süßer hingeb’ner Duft.

Christian Morgenstern

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April

April

Das ist die Drossel, die da schlägt,
Der Frühling, der mein Herz bewegt;
Ich fühle, die sich hold bezeigen,
Die Geister aus der Erde steigen.
Das Leben fließet wie ein Traum –
Mir ist wie Blume, Blatt und Baum.

Theodor Storm

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März

Im März

Graublaue Nebel schleichen
Durch winterlich Gefild,
Graublaue Berge dämmern
Gleich blassem Traumgebild.

Der Regen rieselt leise
Im blätterlosen Wald,
Vom kühlen Wind das Flüstern
Aus dürren Zweigen hallt.

Dort droben zwitschert ein Vogel
Schüchtern sein kleines Lied –
Weiss nicht, ob Herbst, ob Frühling
Die stille Welt durchzieht.

Ferdinand Ernst Albert Avenarius, 1856-1923, deutscher Dichter

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Februar

Der Winter

Wenn sich das Jahr geändert, und der Schimmer
Der prächtigen Natur vorüber, blühet nimmer
Der Glanz der Jahreszeit, und schneller eilen
Die Tage dann vorbei, die langsam auch verweilen.

Der Geist des Lebens ist verschieden in den Zeiten
Der lebenden Natur, verschiedne Tage breiten
Das Glänzen aus, und immerneues Wesen
Erscheint den Menschen recht, vorzüglich und erlesen.

Friedrich Hölderlin (1770-1843)

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Januar

Winterlied einer Meise

Wo auf winterlicher Flur
Noch kein Hälmchen zu erschauen,
Mahnt vom Walde her die Meise,
Auf die Sonne zu vertrauen,
Die für eine Weile nur
Uns entwandert auf der Reise.

Martin Greif (1839 – 1911)

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Dezember

Zum 24. Dezember

Noch einmal ein Weihnachtsfest,
Immer kleiner wird der Rest,
Aber nehm‘ ich so die Summe,
Alles Grade, alles Krumme,
Alles Falsche, alles Rechte,
Alles Gute, alles Schlechte –
Rechnet sich aus all dem Braus
Doch ein richtig Leben heraus.
Und dies können ist das Beste
Wohl bei diesem Weihnachtsfeste.

Theodor Fontane (1819–1898)

November

Herbst im Fluss

Der Strom trug das ins Wasser gestreute
Laub der Bäume fort.
Ich dachte an alte Leute
Die auswandern ohne ein Klagewort.

Die Blätter treiben und trudeln,
Gewendet von Winden und Strudeln
Gezügig, und sinken dann still.

Wie jeder, der Großes erlebte,
Als er an Größerem bebte,
Schließlich tief ausruhen will.

Joachim Ringelnatz

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Oktober

Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel

Bild von suju-foto auf Pixabay

September

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fliessen.

(Eduard Mörike 1804-1875, deutscher Lyriker)

Bild von David Mark auf Pixabay

August

Ein grünes Blatt

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,
Ich nahm es so im Wandern mit,
Auf dass es einst mir möge sagen,
Wie laut die Nachtigall geschlagen,
Wie grün der Wald, den ich durchschritt.

Theodor Storm

Bild von jplenio auf Pixabay

Juli

Nun ist es Sommer den ganzen Tag,
Den ganzen Tag man nur küssen mag,
Und alle die Rosen, die müssen
Satt duften zu unseren Füssen.

Nun bleibt es Sommer den ganzen Tag,
Den ganzen Tag ich im Himmel lag,
Dort tat man sich paarweise küssen
Und satt lag die Erde zu Füssen.

Nun ist es Sommer Nacht und Tag,
Und Nacht und Tag man nur küssen mag;
Von allen heissen Genüssen
Ist Anfang und Ende das Küssen.

(Max Dauthendey, 1867-1918, deutscher Dichter)

Bild von Simon Berstecher auf Pixabay

Juni

Der Juni

Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.
Kaum schrieb man sechs Gedichte,
ist schon ein halbes Jahr herum
und fühlt sich als Geschichte.

Die Kirschen werden reif und rot,
die süßen wie die sauern.
Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,
so sehr wir es bedauern.

Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.
Aus Herrlichkeit wird Nahrung.
Aus manchem, was das Herz erfuhr,
wird, bestenfalls, Erfahrung.

Es wird und war. Es war und wird.
Aus Kälbern werden Rinder
Und weil’s zur Jahreszeit gehört,
aus Küssen kleine Kinder.

Die Vögel füttern ihre Brut
und singen nur noch selten.
So ist’s bestellt in unsrer Welt,
der besten aller Welten.

Spät tritt der Abend in den Park,
mit Sternen auf der Weste.
Glühwürmchen ziehn mit Lampions
zu einem Gartenfeste.

Dort wird getrunken und gelacht.
In vorgerückter Stunde
tanzt dann der Abend mit der Nacht
die kurze Ehrenrunde.

Am letzten Tische streiten sich
ein Heide und ein Frommer,
ob’s Wunder oder keine gibt.
Und nächstens wird es Sommer.

Erich Kästner

Bild von Gerhard G. auf Pixabay

Mai

Maimond

Maimond schwebt über dem Fluss
Und liegt mir glatt vor dem Fuß.
Das Wasser rückt nicht von der Stelle
Und lugt nur hinauf in die Helle.

Ich schau‘ übers Flussbett hinüber –
Ein Lied schlägt die Brücke herüber,
Es lacht eine Nachtigall
Eine Brücke aus Freude und Schall.

Es regt sich der Nachtwind im Laub –
Es fiel ein Gedanke zum Staub –
Maimond aus vergangen Jahren
Liegt streichelnd auf alternden Haaren.

Maimond zog mich hin mit Verzücken
Sacht über die singende Brücken,
Und jünger wurde mein Gang,
Solange die Nachtigall sang.

Max Dauthendey (Maigedichte)

Bild von Avtar Kamani auf Pixabay

April

Zitronenfalter im April

Grausame Frühlingssonne,
Du weckst mich vor der Zeit,
Dem nur in Maienwonne
Die zarte Kost gedeiht!
Ist nicht ein liebes Mädchen hier,
Das auf der Rosenlippe mir
Ein Tröpfchen Honig beut,
So muss ich jämmerlich vergehn
Und wird der Mai mich nimmer sehn
In meinem gelben Kleid.

Eduard Mörike

Bild von Pitsch auf Pixabay

März

Märztag

Wolkenschatten fliehen über Felder,
Blau umdunstet stehen ferne Wälder.

Kraniche, die hoch die Luft durchpflügen,
Kommen schreiend an in Wanderzügen.

Lerchen steigen schon in lauten Schwärmen,
Überall ein erstes Frühlingslärmen.

Lustig flattern, Mädchen, deine Bänder;
Kurzes Glück träumt durch die weiten Länder.

Kurzes Glück schwamm mit den Wolkenmassen;
Wollt es halten, musst es schwimmen lassen.

Friedrich Adolf Axel Freiherr von Liliencron, (1844 – 1909)

Bild von Klaus Hausmann auf Pixabay

Februar

Der Winter


Das Feld ist kahl, auf ferner Höhe glänzet
Der blaue Himmel nur, und wie die Pfade gehen,
Erscheinet die Natur, als Einerlei, das Wehen
Ist frisch, und die Natur von Helle nur umkränzet.

Der Erde Stund ist sichtbar von dem Himmel
Den ganzen Tag, in heller Nacht umgeben,
wenn hoch erscheint von Sternen das Gewimmel,
Und geistiger das weit gedehnte Leben.

Johann Christian Hölderlin

Januar

Man nehme 12 Monate, putze sie sauber von Neid, Bitterkeit, Geiz, Pedanterie
und zerlege sie in 30 oder 31 Teile, so daß der Vorrat für ein Jahr reicht.
Jeder Tag wird einzeln angerichtet aus 1 Teil Arbeit und 2 Teilen Frohsinn und Humor.
Man füge 3 gehäufte Eßlöffel Optimismus hinzu, 1 Teelöffel Toleranz, 1 Körnchen Ironie und 1 Prise Takt.
Dann wird die Masse mit sehr viel Liebe übergossen.
Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten
und serviere es täglich mit Heiterkeit.

(Katharina Elisabeth Goethe, Mutter v. Johann Wolfgang von Goethe)

Bild von Tumisu auf Pixabay

Dezember

Die hohen Tannen atmen heiser
im Winterschnee, und bauschiger
schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.
Die weißen Wege werden leiser,
die trauten Stuben lauschiger.

Da singt die Uhr, die Kinder zittern:
Im grünen Ofen kracht ein Scheit
und stürzt in lichten Lohgewittern, –
und draußen wächst im Flockenflittern
der weiße Tag zur Ewigkeit.

(Rainer Maria Rilke)

Bild von Gerhard G. auf Pixabay

November

Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel, 1813 – 1863

Bild von Annette Meyer auf Pixabay

Oktober

Blätter

Die Blätter fallen,
fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Rainer Maria Rilke, 1875 – 1926)

Bild von Design_Miss_C auf Pixabay

September

Sonnenuntergang

Jede Seele muss gesunden,
wenn sie reine Schönheit trinkt.
Sag‘, hast du das nie empfunden
abends, wenn die Sonne sinkt?

Kannst du etwas Schöneres denken
als des Sonnentags Verglüh’n,
wenn sich Rosenschleier senken
segnend auf der Menschheit Müh’n?

Sahst du nie auf seiner Reise
das verlorene Wolkenboot?
Jeden Abend schwimmt es leise
durch das letzte Sonnenrot.

Sieh‘, das Boot trägt unsre Tränen,
jeden unerfüllten Traum,
jedes Leid und jedes Sehnen
durch der Schönheit lichten Raum.

Durch des Abends heil’ge Gluten
fährt es hin am Firmament,
bis es in den Sonnenfluten
still mit seiner Last verbrennt.

Carl Wolff 1884-1938
Aus der Sammlung „Auf stillen Wegen“

August

Die verehrlichen Jungen, welche heuer
Meine Äpfel und Birnen zu stehlen gedenken,
Ersuche ich höflichst, bei diesem Vergnügen
Wo möglich insoweit sich zu beschränken,
Dass sie daneben auf den Beeten
Mir die Wurzeln und Erbsen nicht zertreten.

Theodor Storm (1817-1888)

Juli

Ich bin der Juli

Grüß Gott! Erlaubt mir, dass ich sitze.
Ich bin der Juli, spürt ihr die Hitze?

Kaum weiß ich, was ich noch schaffen soll,
die Ähren sind zum Bersten voll;

reif sind die Beeren, die blauen und roten,
saftig sind Rüben und Bohnen und Schoten.

So habe ich ziemlich wenig zu tun,
darf nun ein bisschen im Schatten ruhn.

Duftender Lindenbaum,
rausche den Sommertraum!

Seht ihr die Wolke? Fühlt ihr die Schwüle?
Bald bringt Gewitter Regen und Kühle.

Paula Dehmel (1862 – 1918)
Bild von Albrecht Fietz auf Pixabay

Juni

Der Sommerfaden

Da fliegt, als wir im Felde gehen,
Ein Sommerfaden über Land,
Ein leicht und licht Gespinst der Feen,
Und knüpft von mir zu ihr ein Band.
Ich nehm‘ ihn für ein günstig Zeichen,
Ein Zeichen, wie die Lieb‘ es braucht.
O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,
Aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht!

Ludwig Uhland
Bild von Larisa Koshkina auf Pixabay

Mai

Im wunderschönen Monat Mai,

Als alle Knospen sprangen,

Da ist in meinem Herzen

Die Liebe aufgegangen.

Im wunderschönen Monat Mai,

Als alle Vögel sangen,

Da hab ich ihr gestanden

Mein Sehnen und Verlangen.

 

Heinrich Heine

April

Der Frühling

Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde,
Die Tage kommen blütenreich und milde,
Der Abend blüht hinzu, und helle Tage gehen
Vom Himmel abwärts, wo die Tag´ entstehen.
Das Jahr erscheint mit seinen Zeiten
Wie eine Pracht, wo sich Feste verbreiten,
Der Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele,
So sind die Zeichen in der Welt, der Wunder viele.

Friedrich Hölderlin (1770-1843)

März

Vorfrühling

Spürst du das leise Grün? Fühlst du die Knospen am Strauch:
ahnst du den weiten Wind? –
Liebste, o still! Liebe ist nur ein Hauch.

Hörst du die Stille? Tief, einzig und groß,
wie unsre Träume sind –
Sprich nicht! Jetzt nicht! Liebe ist Lauschen bloß.

Siehst du die Wolke inmitten unendlichen Blau’s
wehen und wandern,
Kind? – Kehren wir um! Liebe ist Sehnsucht nach Haus.

(Josef Weinheber, 1892-1945, österreichischer Lyriker)

Februar

Alles still!

Alles still! Es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! Vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! Die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! Nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht –
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.

Theodor Fontane

Januar

Der Glückwunsch
Ein Glückwunsch ging ins neue Jahr,
Ins Heute aus dem Gestern.
Man hörte ihn sylvestern.
Er war sich aber selbst nicht klar,
Wie eigentlich sein Hergang war
Und ob ihn die Vergangenheit
Bewegte oder neue Zeit.
Doch brachte er sich dar, und zwar
Undeutlich und verlegen.
Weil man ihn nicht so ganz verstand,
So drückte man sich froh die Hand
Und nahm ihn gern entgegen.

Joachim Ringelnatz

Kolonisation II

24.04.2020
Was für eine Energie und ein Treiben.
Nach dem Umzug haben die Ameisen ihr Nest im alten Baumstumpf erobert. Zügig haben sie nun begonnen, einen neuen Hügel aufzuschichten.


Bald wird der Baumstumpf darunter verborgen sein. Unglaublich, wieviel Material von diesen kleinen Wesen herantransportiert wird.

Kolonisation

15.03.2020   15:00
Heute habe ich etwas Unglaubliches erlebt.
Ich durfte Zuschauer bei der Neugründung einer Ameisenkolonie sein.
Tausende von Roten Waldameisen haben einen alten, morschen Baumstumpf erobert.
Vom Fuß des Baumstumpfes an rücken sie in breiten Kolonnen an. Tausend kleiner Lebewesen dicht an dicht.
Ein Teppich von Ameisen überrollt von allen Seiten den Stumpf. Mehrere Schichten von Ameisen übereinander bedeckten sie nach kurzer Zeit das Holz. Wiederholt rollten ganze Ballen von Ameisen aneinandergeklammert als kleine Lawine wieder herunter. Dann fällt ein Tropfen aus Ameisen an einem Überhang zu Boden, zerfällt in einzelne Ameisen die wiederum sofort nach oben streben. Wieder und wieder. Ein unwirkliches Schauspiel, mit welcher Energie diese kleinen Lebewesen nur ein Ziel verfolgten. Nach oben!
Ich merke es eilt, sie sind ohne Nest schutzlos. Noch sind sie unentdeckt.
Nun werden sie dort einen neuen Ameisenhügel bauen. Wahrscheinlich wird dort in wenigen Tagen über dem morschen Stumpf ein Ameisenhügel aus Fichtennadeln, Blättern und Zweigen errichtet sein.
Ein unglaubliches Schauspiel das die Frage offen lässt, wie diese Menge an kleinen Lebewesen weiß, was der einzelne zu tun hat. Welcher Plan lässt sie wissen lässt, wie der Bau einmal aussehen und funktionieren soll. Staunend und fast fassungslos sitze ich davor und weiß keine Erklärung für diese ungeheure Energie, diesen Fleiß und diese Zielstrebigkeit, die den Eindruck hinterlässt, dass dies nicht Tausende von Ameisen sondern ein einziger großartiger Organismus mit Intelligenz sein muss.

75m davon entfernt findet sich der alte, nun verlassene Ameisenhügel.

Vielleicht sind die Forstarbeiten die dort durchgeführt wurden der Grund für den Umzug. Möglich wäre auch, dass der verlassene Hügel in einer Fichtenschonung steht und durch das Wachstum und den Kronenschluss der Fichten nicht mehr genügend Licht und Wärme am Waldboden ankommen kann. Der neue Hügel entsteht an einer lichteren und wärmeren Stelle.

Dezember

Die Nacht ist niedergangen
Die schwarzen Schleier hangen
Nun über Busch und Haus.
Leis rauscht es in den Buchen.
Die letzten Winde suchen
Die vollsten Wipfel sich zum Neste aus.
Noch einmal leis ein Wehen …
Dann bleibt der Atem stehen
Der müden, müden Welt.
Nur noch ein zages Beben
Fühl‘ durch die Nacht ich schweben,
Auf die der Friede seine Hände hält.

Otto Julius Bierbaum (1865 – 1910), auch Martin Möbius, deutscher Lyriker, Romanautor und Herausgeber der Zeitschrift »Pen«

Notfall und Risikomanagement II

WarnwetterApp des Deutschen Wetterdienstes

Wetter! Ein entscheidender Faktor. €1,99 gut investiert.

Wie wird das Wetter, bleibt es beständig, haben wir mit Unwetter zu rechnen. Regen, Kälte, Sturm?
Eine gute Wetterprognose ist hier oft nicht ausreichend, weil wir eine standortbezogene und aktuelle Wettervorhersage benötigen um auch die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten.

Hier ist es notwendig, auch kurzfristig auf Wetterveränderungen zu reagieren. Diese Möglichkeit bietet die WarnwetterApp des Deutschen Wetterdienstes. Treten kurzfristig Wetterumschwünge auf werden hier standortbezogen Push-Meldungen auf das Mobiltelefon versandt.

Das bedeutet, wenn regional am derzeitigen Aufenthaltsort z. B. Sturmböen auftreten, kommt automatisch eine Warnmeldung auf das Mobiltelefon.
Auch wenn wir die Teilnehmer bitten können, auf digitale Gadgets in der Natur zu verzichten wird es doch aus Sicherheitsgründen erforderlich sein, als Leiter einer Gruppe für den Notfall ein Mobiltelefon mitzuführen.

Mehr Informationen gibt es beim Deutschen Wetterdienst,
https://www.dwd.de/DE/leistungen/warnwetterapp/warnwetterapp.html
unter FAQ werden auch alle wichtigen Fragen zur App behandelt.
Die Vollversion gibt es für € 1,99.

Informationen und Text mit freundlicher Genehmigung von:
Deutscher Wetterdienst, Frankfurter Straße 135, 63067 Offenbach

Planung und Verantwortung

Die erfolgreiche Durchführung einer naturpädagogischen Veranstaltung erfordert Planung.
Diese sollte jedoch immer reichlich Spielraum und Spontaneität für die Gruppe, die einzelnen Teilnehmer und den Leiter lassen.
Von der ursprünglichen Konzeption abweichen zu können erfordert jedoch meist einen „Plan B“.

Sicher ist es einmal interessant, die Konzeption in ihrer Vielschichtigkeit zu betrachten und gegebenfalls auch zu überdenken
Dabei gliedert sich die Planung in 3 wesentliche Bereiche.
Organisation – Didaktik – Methodik
und diese werden beeinflusst von den Gegebenheiten.
Ein weiterer Punkte ist die Sicherheit der Teilnehmer.
In der folgenden Liste werden wichtige Punkte (grüne Felder) zur Planung erfasst,
Verantwortliche zugeordnet (gelbe Felder) sowie eine Checkliste erstellt.
Einzelne Programmpunkte sowie der eigentliche Ablauf werden dabei nicht berücksichtigt.
Diese Checkliste soll keinesfalls akribisch abgearbeitet werden, 6 Seiten sind dafür zu umfangreich.
Sie kann jedoch eine gedankliche Hilfe bei der Planung von Veranstaltungen sein.
Für viele Veranstaltungen sind nur einzelne Punkte tatsächlich relevant.

Seite 1
Thema, Team, Projektbeschreibung, Ideen, Informationen, Teilnehmer und Ziele.

Seite 2
Überprüfung der eigenen didaktischen Zielsetzung.
Anhand der didaktischen Modelle von Joseph Cornell und Michael Kalff.
Entwicklung eigener Modelle und Gedanken. oder eigene Modelle.
sowie Prioritäten der Methodik.

Seite 3
Versicherung, Genehmigungen, Informationen, Werbung,
Wetter, Gelände, Unterkunft und Verpflegung

Seite 4
Informationen über die Teilnehmer, Handycap, Allergien, Medikamente und Ernährung.
Risiken und Prävention

Seite 5
Evakuierung bei Notfällen sowie Notfallrufnummern.

Seite 6
Weitere Punkte und eigene Ideen zur Checkliste.

Anregungen und Ideen zur Vervollständigung sind jederzeit willkommen,
hinterlasst einen Kommentar oder sendet eine E-Mail.
Ich würde mich über eure Mitarbeit freuen.

Die Checkliste steht als Download bereit.

Bei der Excel-Datei werden Felder zum Teil automatisch ausgefüllt.
Die Teammitglieder von Seite 1 erscheinen jeweils zur Auswahl in den gelben Auswahllisten.
grüne Felder können ausgefüllt werden,
mit der Tab-Taste springt der Cursor jeweils zum nächsten Auswahlfeld.

Notfall und Risikomanagement

Wir alle hoffen, dass wir nie mit Notfällen konfrontiert werden.
Und doch müssen wir solche Situationen in unserer Planung berücksichtigen und darauf vorbereitet sein.
Sollte also ein Notfall eintreffen müssen wir schnell handeln und entsprechend reagieren können.

Hilfe im Wald – die kostenlose Rettungs-App für Android und iOS.
Bei Unfällen im Wald und in der freien Landschaft kommt dem Notruf von Rettungskräften eine besondere Bedeutung zu.
Die sonst üblichen Bezeichnungen von Straßen und Hausnummern sind nicht zu finden. Flurnamen oder betriebliche Bezeichnungen von Waldstücken oder Standorten werden oft falsch verstanden oder fehlerhaft interpretiert. Aus dieser Situation heraus wurde länderübergreifend ein System geschaffen, bei dem Rettungskräfte zu einem eindeutig bezeichneten Rettungspunkt dirigiert werden.
Diese Punkte liegen so in der Landschaft, dass sie eindeutig beschreibbar, und auch von potenziellen Unfallstandorten in Wald und Landschaft möglichst kurz erreichbar sind. Mit den „Rettungspunkten“ wurde eine Infrastruktur geschaffen, die schnelle Hilfe im Wald ermöglicht. Der Feuerwehr, der Polizei und Sanitätern sind die einzelnen Rettungstreffpunkte und die Anfahrtswege bekannt, so dass sie bei der Nennung eines Rettungspunktes schnell vor Ort sein können. War es bisher meist notwendig, den jeweiligen Rettungspunkt aufzusuchen, um die Bezeichnung des Punktes abzulesen und an die Rettungskräfte weiterzugeben, leistet jetzt eine App für Smartphone-Besitzer wertvolle Hilfe. In fast allen Bundesländern wurde von den Forstbetrieben eine Infrastruktur zur Rettung Verunglückter geschaffen. Der ausgewiesene Rettungspunkt im Wald ist wesentlicher Bestandteil dieser Struktur. Diesen Punkt steuern die Rettungskräfte an, hier trifft der Verunglückte auf Hilfe.

Die App „Hilfe-im-Wald“ bringt aber nicht nur diesem Nutzerkreis ein deutliches Mehr an Sicherheit sondern auch
Naturpädagogischen Veranstaltungen in Feld und Wald.
Die App soll darüber hinaus der erholungssuchenden Bevölkerung, also Spaziergängern, Wanderern, Mountain-Bikern, Reitern, Joggern und anderen eine schnelle Hilfe im Notfall bieten. So unterstützt neue Technologie wichtige Aufgaben. Die Forstbetriebe unterstützen die App als Datenlieferanten und liefern damit einen wichtigen gemeinnützigen Beitrag zur Sicherheit im Wald.

Wichtiger Hinweis: Die App „Hilfe im Wald“ unterstützt das Auffinden des nächstgelegenen Rettungspunktes. Sie ist keine technische Absicherung von gefährlichen Alleinarbeiten im Wald nach dem Regelwerk der Unfallversicherungsträger.

Die App „Hilfe im Wald“ erfreut sich wachsender Benutzerzahlen.
Laut Intend hat die App aktuell 75.000 Android Nutzer sowie 40.000 iOS Nutzer. Nicht nur Forstwirte, sondern auch Wanderer und Jäger sind mit der App sicher unterwegs. Und hier wird es auch für Naturpädagogen und Waldpädagogen interessant.

Lesen Sie im folgenden Beitrag, welche Ziele die App verfolgt, wie sie funktioniert und wo Sie die App finden können.

1. Welche Ziele verfolgt die App „Hilfe im Wald“?
„Hilfe im Wald“ ist eine, von INTEND aus Kassel entwickelte, kostenlose Rettungsapp für den Wald. Sie dient dazu, den nächstgelegenen Rettungspunkt zu finden und Rettungskräften somit eine präzise Ortsangabe für einen Treffpunkt machen zu können. Rettungspunkte sind speziell angelegte und feststehende Positionen, die durch staatliche, kommunale und private Forstbetriebe aufgestellt worden sind. Sie sind durch Schilder gekennzeichnet und eindeutig beschriftet. Die Koordinaten der Rettungspunkte sind den Einsatzleitzentralen von Feuerwehr und Rettungsdienst bekannt. Bei einem Notruf kann es kann es nützlich sein, dem Koordinator in der Leitstelle das Stichwort „Waldrettungspunkt“ zu nennen, dieser wird dann abfragen um welchen Rettungspunkt es sich handelt. Sollte ein Verletzter den Rettungspunkt nicht erreichen können, kann ein Helfer diesen Rettungspunkt aufsuchen und die Rettungskräfte zum Verletzten führen.

2. Wie funktioniert die Wald App?
Für die ordnungsgemäße Funktion der App ist allein eine GPS-Ortung notwendig, welche unter freiem Himmel jederzeit zu erwarten ist. Anhand der empfangenen Daten zeigt die App die eigene Position in Form von Koordinaten an. Mittels einer grafischen Darstellung zeigt die App ferner die Position in Bezug auf die Rettungspunkte in der Umgebung sowie deren Bezeichnung und Entfernung. Wenn zusätzlich eine Netzabdeckung (GSM) gegeben ist, ist auch der Zugriff auf eine topografische Karte, ein Luftbild sowie der Anruf bei Rettungskräften über die App möglich. Ein permanenter Internetzugang ist daher keine Voraussetzung für die Handy-App „Hilfe im Wald“, was in Gebieten mit geringer Netzabdeckung von Vorteil ist.

3. Wer hat die App entwickelt?
Die App „Hilfe im Wald“ ist ein Produkt der INTEND Geoinformatik GmbH. Damit die App kostenlos bleibt, fördern Fjällräven, Gothaer und Grube die App und deren Weiterentwicklung mit erheblichen Mitteln.

4. Ist die App bundesweit nutzbar?
Die Wald App fürs Handy ist in vielen Bundesländern nutzbar. Lediglich in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern gibt es derzeit noch keine entsprechenden Daten (Stand Oktober 2019).

5. Was kostet mich die App „Hilfe im Wald“?
Download, Installation und Benutzung der App „Hilfe im Wald“ sind kostenlos.
Damit dies auch weiter so bleiben kann, haben der Outdoorausrüster Fjällräven, der Forst- und Jagdversender Grube und die AGDW – Die Waldeigentümer mit der Firma INTEND einen Kooperationsvertrag geschlossen, der die Finanzierung der App sichert. Das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) unterstützt die App durch die Datenaufbereitung der Rettungspunkte.
Die Firmen werden in den kommenden Jahren jeweils mehrere 10.000 Euro investieren und stellen damit sicher, dass die App weiter kostenlos angeboten, gepflegt und weiterentwickelt werden kann.

6. Auf welchen Geräten kann die App installiert werden?
Derzeit ist die App für Android- und iOS-Geräte verfügbar. Voraussetzungen ist Android, die Version variiert nach Gerät, für iOS ist die Version 9.0 oder höher zulässig.

7. Ich möchte die App „Hilfe im Wald“ installieren. Wo finde ich die aktuelle Version?
Die App „Hilfe im Wald“ für Android finden Sie im Playstore von Google

Die App „Hilfe im Wald“ für iOS finden Sie im Appstore von Apple

Die wichtigsten Fakten im Überblick:
-Grafische Darstellung der eigenen Position in Bezug zu den umliegenden Rettungspunkten mit Hilfe von GPS & GSM.
-Kostenlos.
-Unkomplizierte Installation.
-In zahlreichen Bundesländern einsetzbar (Ausnahme derzeit noch Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen).
-Für Android- und iOS-Geräte.
-Die App überzeugt mit ihren Funktionen für mehr Sicherheit und schnelle Hilfe, sowie ihrer leichten Handhabung und ist daher bei der Vorbereitung, Planung und Durchführung naturpädagogischer Aktionen ein absoluter Gewinn an Sicherheit für Team und Teilnehmer bei Notfällen.
-Ein weiterer Nebeneffekt ist die Darstellung der eigenen Position wahlweise auf Straßenkarte, topografischer Karte oder Luftbild
und die daraus resultierende Möglichkeit, die App auch als Navigationshilfe zu nutzen.

Texte, Grafiken und Informationen (auch auszugsweise) mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung von:

Intend-Geoinformatikgrube

Waldkinder

Der Beitrag ist nun in der Mediathek des SWR-Fernsehens verfügbar.

Link zur Sendung: Waldkinder – Großwerden in der Natur

Verfügbar bis 11.11.2020

Waldkinder – Großwerden in der Natur

DokuSind „Waldkinder“ glücklicher?

Sendung: „Waldkinder – Großwerden in der Natur“

9.5.2019, 23:15 Uhr, 60 Minuten, SWR Fernsehen

Doku über Waldkinder mit dem Neurobiologen und Hirnforscher Gerald Hüther 

Wie kann Kindheit gelingen in einer Zeit, in der Naturräume kleiner werden, Großfamilien verschwinden und die digitale Welt beides zu ersetzen droht? Inwieweit bereitet der Spielraum Natur Kinder noch auf die heutige Welt vor? Für diesen Dokumentarfilm haben Harold Woetzel und sein Kamerateam im Waldkindergarten von Freudenstadt und im Gespräch mit dem Neurobiologen Gerald Hüther nach Antworten gesucht. Ein Jahr lang haben sie die Kinder und Erzieherinnen begleitet und immer wieder nachgefragt: Was bedeutet das Spielen in der Natur für die gehirnphysiologische Entwicklung eines Kindes in einer digitalisierten Welt? 

Doku: Waldkinder – Großwerden in der Natur

Ein Jahr in einem Waldkindergarten

Waldkinder

Jeden Monat einmal besuchen die Waldkinder „ihren“ Bauernhof bei Freudenstadt, füttern die Tiere, sammeln die Hühnereier, machen Heu und lernen, woher unsere „Lebensmittel“ eigentlich kommen.

Was bedeutet Kindheit? 

Für viele Erwachsene bedeutet Kindheit eine diffuse Sehnsucht nach einer Zeit ohne Terminkalender, Leistungsdruck, Entdeckungen jenseits eingezäunter Spielplätze und Straßenschluchten. Der Dokumentarfilm von Harold Woetzel sucht Kindheit dort, wo Kinder viel Zeit in der Natur verbringen – im Waldkindergarten von Freudenstadt, bei Ameisenhaufen und dreckigen Gummistiefeln, Wind und Wetter, bei der Heuernte auf einem Bauernhof, beim Feuermachen und Spurenlesen im Schnee. „Waldkinder“ befragt auch die Gesellschaft: Was trauen wir unseren Kindern noch zu? Werden wir ihrer Neugier, ihrem Bewegungsdrang noch gerecht? Natürlich haben sich die Eltern der Waldkinder auch Gedanken gemacht, ob sie ihren Nachwuchs bei Wind und Wetter Gefahren aussetzen. 

Lernen fürs Digitale – im Wald

Als wissenschaftlichen Partner von „Waldkinder“ hat das Team den Neurobiologen und Hirnforscher Gerald Hüther besucht und gefragt, was es für die hirnphysiologische Entwicklung eines Kindes bedeutetet, wenn es sich täglich im Spielraum Wald aufhält. Das Fazit: Ständiger Wetterwechsel, der Lauf der Jahreszeiten, Kommen und Gehen von Tieren und Pflanzen – das Biotop Wald ist ständig in Veränderung begriffen und provoziert so beim Spielen mehr Vernetzungsfähigkeiten des Gehirns als jede menschengemachte Umgebung zum Spielen. Das bereitet Kinder nicht nur bestens auf das heutige, auch digitalisierte Leben vor, sondern erhält vor allem die Freude am Lernen – eine wichtige Ressource, um beim Erwachsenwerden die emotionale Balance zu halten.

Dezember

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen
– O Du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff (1788-1857)

November

Herbst

Nun lass den Sommer gehen,
Lass Sturm und Winde wehen.
Bleibt diese Rose mein,
Wie könnt ich traurig sein?

Joseph von Eichendorff (1788–1857)

Oktober

Dies ist ein Herbsttag …

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

(Christian Friedrich Hebbel, 1813-1863)

 

September

Apfelernte

O welche Lust, auf die Bäume steigen
Und klettern umher in den schwanken Zweigen!

Wir müssen uns recken, müssen uns bücken,
Die Äpfel und Birnen und Zwetschgen zu pflücken.

Und können wir nicht zum Wipfel gelangen,
Wo meist die allerschönsten hangen,

Dann legen wir die Leiter dran
Und ziehen mit Haken die Zweige heran.

Hilft das auch nichts, dann kommt das Beste,
Wir schütteln alle Zweig‘ und Äste,

Und wenn es dann regnet Äpfel im Nu,
Dann sehen wir jubelnd von ferne zu.

 

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

August

Sommer

Mein Herz steht bis zum Hals in gelbem Erntelicht
wie unter Sommerhimmeln schnittbereites Land.
Bald läutet durch die Ebenen Sichelsang: mein Blut
lauscht tief mit Glück gesättigt in den Mittagsbrand.
Kornkammern meines Lebens, lang verödet,
alle eure Tore sollen nun wie Schleusenflügel offen stehn,
Über euern Grund wird wie Meer die goldne Flut der Garben gehen.

Ernst Stadler (1883-1914)

Neu im Team

wir begrüßen Gitta Pelzer die einen ganz eigenen Schwerpunkt hat
und wünschen ihr viel Erfolg.

Gitta Pelzer

Juli

Das Lied der Vögel

Wir Vögel haben’s wahrlich gut,
Wir fliegen, hüpfen, singen.
Wir singen frisch und wohlgemut,
Das Wald und Feld erklingen.

Wir sind gesund und sorgenfrei,
Und finden, was uns schmecket;
Wohin wir fliegen, wo’s auch sei,
Ist unser Tisch gedecket.

Ist unser Tagewerk vollbracht,
Dann zieh’n wir in die Bäume,
Wir ruhen still und sanft die Nacht
Und haben süße Träume.

Und weckt uns früh der Sonnenschein,
Dann schwingen wir’s Gefieder,
Wir fliegen in die Welt hinein
Und singen unsre Lieder.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Juni

Es war ein solcher  Vormittag,
wo man die Fische singen hörte,
kein Lüftchen lief, kein Stimmchen störte,
kein Wellchen wölbte sich zum Schlag.

Nur sie, die Fische, brachen leis
der weit und breiten Stille Siegel
und sangen millionenweis‘
dicht unter dem durchsonnten Spiegel.

Christian Morgenstern  (1871 – 1914)

Mai

Ich wünsche dir

Ich wünsche Dir soviel Freuden,
als Schlüsselblumen in dem großen Garten blühen.
Bist du damit zufrieden?
Und auch einen schönen Maitag,
um sie zu pflücken.

Heinrich von Kleist (1777-1811)

Anmerkung des Autors: „Das mit dem Pflücken muss nicht sein!“

April

Das grüne Wunder

Mein Birkenhain stand weiß und kahl,
Die dünnen Stämmchen fror,
Da kam April und zauberte
Das Leben grün hervor.

Mit einem Schleier angetan
Steht nun mein Birkenhain;
Das grüne Wunder ist geschehn,
Nun lasst uns gläubig sein.

Nun lasst uns glauben wiederum,
Dass Leben Schönheit heißt:
Mein Birkicht ist ein Zauberwald,
In dem das Wunder kreißt.

Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

Ingwersirup

Die Grippewelle ist noch nicht vorbei.
Es ist Zeit, unsere Abwehrkräfte nochmals zu stärken.
Alles was wir dazu brauchen ist:

500 gr. Ingwer
500 gr. brauner Rohrzucker
500 ml Wasser
1l Zitronensaft 

Und so geht es:

Ingwer waschen und bürsten, dann fein reiben.

Ingwer, Wasser kurz erhitzen und dann den Rohrzucker hinzugeben.
Nochmals kurz aufkochen und 15 min. ziehen lassen.
Zitronensaft (gibt es im Handel in 1l Flasche) zugeben,
kurz aufkochen, durch ein feines Tuch oder einen Filter
abseihen und in saubere Flaschen mit Verschluss abfüllen.
Damit ist der Sirup monatelang haltbar.

Die Menge ergibt ca. 2l Sirup.
Und keine Sorge, das Vitamin C ist recht hitzeresistent.

1:10 verdünnt mit heißem Wasser als wärmender Tee im Winter,
oder 1:10 verdünnt mit Eis und Mineralwasser als erfrischendes Getränk  im Sommer. Die angebrochene Flasche im Kühlschrank aufbewahren.

 

Willkommen

Wir begrüßen die neuen Mitglieder bei NATURPÄDAGOGIK.DE

DFEC73C6-8DBF-4582-92CD-51E201081E81   Anja Hümmer 2   Norman Wolter   Susanne Papentin   Daniela Schneider

Sandra,   Anja,   Norman,   Susanne und Daniela

Seid herzlich willkommen.
Wir freuen uns dass ihr dabei seid.

März

März

Und aus der Erde schauet nur
Alleine noch Schneeglöckchen;
So kalt, so kalt ist noch die Flur,
Es friert im weißen Röckchen.

(Theodor Storm 1817-1888, deutscher Dichter)

Februar

Februar

Im Winde wehn die Lindenzweige,
Von roten Knospen übersäumt;
Die Wiegen sind’s, worin der Frühling
Die schlimme Winterzeit verträumt.

Theodor Storm

Januar

Ein neues Buch, ein neues Jahr

Ein neues Buch, ein neues Jahr
Was werden die Tage bringen?!
Wird’s werden, wie es immer war,
Halb scheitern, halb gelingen?

Ich möchte leben, bis all dies Glühn
Rücklässt einen leuchtenden Funken.
Und nicht vergeht, wie die Flamm‘ im Kamin,
Die eben zu Asche gesunken.

Theodor Fontane
(1819-1898)

Dezember

Die hohen Tannen atmen

Die hohen Tannen atmen heiser
im Winterschnee, und bauschiger
schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.
Die weißen Wege werden leiser,
die trauten Stuben lauschiger.

Da singt die Uhr, die Kinder zittern:
Im grünen Ofen kracht ein Scheit
und stürzt in lichten Lohgewittern, –
und draußen wächst im Flockenflittern
der weiße Tag zur Ewigkeit. 

(Rainer Maria Rilke)

 

November

Novembertag

Nebel hängt wie Rauch ums Haus, drängt die Welt nach innen;
ohne Not geht niemand aus; alles fällt in Sinnen.
Leiser wird die Hand, der Mund, stiller die Gebärde.
Heimlich, wie auf Meeresgrund, träumen Mensch und Erde.

Christian Morgenstern (1871-1914)

Oktober

Das Kürbis Gedicht

Abwärts gebogen an schmächtigem Stiele hangen die Früchte,
Tragen am schlanken, länglichen Halse gewaltige Körper.
Riesenhaft dehnt sich die Fülle sodann zum gewichtigen Leibe,
Alles ist Bauch und alles ist Wanst. Und im Kerker der Höhlung
Nähren, geordnet in Reih und Glied, sich zahlreiche Kerne.
Fruchtbar verheißen sie dir entsprechend üppige Ernte.

Walahfrid Strabo

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